Sozialstandards bei Bekleidung

 

Es ist eine noch weit verbreitete, wenn auch häufig leicht zu widerlegende Meinung: Qualität erkennt man am Preis und mit dem Kauf von Markenklamotten braucht man sich über Herstellungsbedingungen eines Produkts keine Sorgen zu machen. Verlässliche Sozialstandards bei Bekleidung ist hier inklusive.

Industrial textile factory

Im gewerkschaftsgeprägten Deutschland sind Sozialstandards für uns nur ein ferner Begriff, und doch betreffen sie uns durch unseren Konsum alle. Durch eine globalisierte Welt und den Versuch sehr armer Länder, sich ihr Stück vom Kuchen abzuschneiden, steht mittlerweile in den wenigsten unserer Kleidungsstücke noch „made in Germany“, und auch Europa ist kaum auf dem Etikett zu sehen.Dass Sozialstandards in vielen anderen Ländern gerade in der Textilindustrie auf äußerst niedrigem Niveau sind, ist weithin bekannt.

Daher scheint es eine widersprüchliche Entwicklung zu sein: Unser Lebensstandard und unser Gehalt steigen seit langer Zeit, und doch sind wir ständig auf der Suche nach dem günstigsten Preis.

Bei einem T-shirt für 2,50 € brutto im Einzelhandel verdient nicht nur die Näherin kaum etwas, auch entlang der Lieferkette ist die Wahrscheinlichkeit finanzieller Bedrängnis äußerst hoch.

Selbst wir als Anbieter von Großmengen sind nicht in der Lage, dem Nachfragedruck auszuweichen. Wir beraten zwar immer auf Qualität und hohe soziale Standards hin aber am Ende siegt doch oft der Preis. Wer nicht anbieten kann, hat verloren. Das Budget sei nicht da, um 10% mehr zu bezahlen. 10% sind also 20 Cents bei einem Tshirt.

Die Zahl der Konsumenten, die auch bei der Herstellung ihres Produkts Transparenz fordern, steigt trotzdem. Zu ärgerlich ist die Erkenntnis, dass trotz teurer Markenkleidung Menschen unter unwürdigen Bedingungen dafür arbeiten müssen.

Schwieriger ist es für den Verbraucher, gezielt Unternehmen zu finden, die sich hohen Sozial- und Herstellungsstandards verschreiben. Um nicht vor dem Kauf erst die Unternehmenshomepage checken zu müssen, kann man sich an einer Reihe Gütesiegeln orientieren.

Eines der bekanntesten: Fair Wear – www.FairWear.org. Die Fair Wear Foundation (FWF) hat sich die weltweite Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Kleidungs- und Textilindustrie zum Ziel gemacht und ist damit ein Garant für verlässliche Sozialstandards bei Bekleidung.

Seit 1999 überprüft die Stiftung die Herstellung der ihr beigetretenen Firmen gänzlich: sowohl Zulieferer, Untervertragsnehmer, Lizenznehmer als auch deren Unterlieferanten werden analysiert. Wichtige Punkte in der Überprüfung sind Entlohnung, Soziale Absicherung, Mitspracherecht im Unternehmen, Arbeitszeiten, Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz, Umweltfreundliche Produktion, Kontrolle und Transparenz, sowie Kinderarbeit.
Nur wer in allen diesen Punkten auf verschiedenen Ebenen mit den Richtlinien der FWF übereinstimmt, kann Mitglied werden. Unter den Mitgliedern finden sich viele bekannte Namen: Schöffel, Vaude, Takko, Jack Wolfskin uvm.

Ein ebenfalls bekanntes und vertrauenswürdiges Siegel is Fairtrade. Fairtrade hat sich dem weltweit gerechten Handel verschrieben – und das nicht nur im Bezug auf Sozialstandards. Alle Produzenten und Händler, die ihre Produkte als Fairtrade auszeichnen wollen, müssen in 3 Themenbereichen mit den Fairtrade-Standards übereinstimmen: Ökonomie, Ökologie und Soziales.

Die Auswirkungen sind beträchtlich: Rund 1,2 Millionen Kleinbauern, Arbeiterinnen und Arbeiter bekommen durch Fairtrade einen auch für sie fairen Handel sichergestellt.
Addiert man deren Familien dazu, kommt man auf rund 6 Millionen Menschen, die durch den Kauf von Fairtradeprodukten ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen verbessern konnten. Ein Besuch im Weltladen ist nicht nötig, selbst Discounter wie ALDI bieten Fairtradeprodukte – Gründe für den Kauf gibt es also genug.

Ein Tipp ist sicher das Schweizer Unternehmen Switcher – www-Switcher.ch. Hier ist die gesamte Firmenphilosophie auf soziale Standards ausgelegt. Jedes Produkt kann an Hand eines Codes im Etikett zurück verfolgt werden.

Mit mehr Aufmerksamkeit im Alltag können auch Sie einen erheblichen Beitrag für die Arbeiter in anderen Ländern leisten. Halten Sie nach diesen Siegeln Ausschau!

Auch Unternehmen für Sonderanfertigungen können durch bewusste Auswahl ihrer Lieferanten hohe Sozialstandards gewährleisten. Werfen Sie einen Blick auf das Beispiel SantaFeTex(http://www.santafetex.com/Ueber-Uns-Beitrag-158.html).

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